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Mittwoch, 15. Oktober 2014

goldener Herbst






goldener Herbst -
die Jagd nach dem Schatz
der Nibelungen





(Golden Autumn - / the hunt for the treasure / of the Nibelungs)
 
Cezar-Florin Ciobîcă



(Übersetzung: Silvia Kempen)
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Die Nibelungen

August 1821

Sivrit.

Sahst du die Sonn' sich auf am Himmel schwingen,
Am heitren Tag in feierlicher Gluth?
Sahst du die Quelle aus dem Felsen dringen?
Und reißend strömen die gewalt'ge Fluth?
Sahst du den Löwen aus dem Walde springen?
Du sahst Sivrit, den Degen, kühn und gut.
Des Leuen Kraft, des heitern Tages Schöne
Vereint der erste aller Heldensöhne.

Chriemhild.

Doch wie die Nachtigall im Walde flötet,
Wie Blümlein sprießen auf den grünen Auen,
Wie milder Abendschein den Himmel röthet,
So war Chriemhild, die herrliche zu schauen,
Bis Hagen ihr den holden Vriedel tödtet:
Da tobt' das Herz der tiefgereizten Frauen.
Unsel'ger Tausch! Zur Löwin wird die weiche
Und stirbt auf ihres Feindes blut'ger Teiche.

Günther.

Ein zierer König, möchte Günther üben
Gleich andern Recken kühne Ritterschaft,
Doch ist das Herz ihm, wie die Sonn' an trüben
Und kalten Wintertagen ohne Kraft.
Und hassen kann er, was er sollte lieben,
Wenn ihn der böse Rath dahingerafft:
Nur in des Kampfes drohenden Gefahren
Konnt' er der Nibelungen Ruhm bewahren.

Brunhild.

Hoch auf dem Isensteine steht Brunhild,
Kein Heldensohn noch konnte sie erringen:
Sie wirft den Stein, sie hebt den schweren Schilds
Die ungeheure Lanze kann sie schwingen.
So ist die Fraue, heldenkühn und wild,
Durch Sivrit nur kann Günther sie bezwingen
Doch als des Magdthums Blume schwindet, ach!
Wird sie ein Weib, so eitel und so schwach.

Hagen.

Ihm hangen Donnerwolken auf den Brauen
Und rothe Blitze aus den Augen fliegen,
Auf seinen bleichen Wangen wohnt das Grauen,
Herr Hagen ist's, dem Sivrit mußt' erliegen.
Seht blut'ge Gassen in den Feind ihn hauen,
Trost der Vurgunden in gewalt'gen Kriegen.
Kein Mann war noch so listig und so graß,
So grenzenlos in Treue und in Haß.

Volcher.

Wer tritt hervor in jugendlicher Schöne
Mit Schwerterklang, mit süßer Saiten Laut?
Herr Volcher ist's, und alle Heunensöhne,
Mit seinen Saiten sind sie wohl vertraut.
Hört ihr ihn fiedeln seine starken Töne
Mit blut'gen Zügen, daß es allen graut?
Hört ihr den grimmen Fiedelbogen hallen,
Daß rings herum'die stolzen Heunen fallen?

Rüdiger.

In Bechelaren wohnt ein edler Herr;
Viel fremde Recken ziehen ein und aus.
Der Vater aller Tugend, Rudeger,
Weit offen stehet sein gewalt'ges Haus.
Auch den Burgunden schenkt er stolze wehr,
Die hoben sie im unglücksel'gen Strauß:
Wohl billig mögt den Helden ihr beklagen,
Durch Freundes Hand mit eig'ner Gab' erschlagen.

Dietrich.

Mit Blute war der weite Saal begossen,
Da trat hervor der starke Dieterich.
Todt waren alle Feinde und Genossen,
Und Hagen nur und Günther hielten sich.
Mit starkem Arm hat sie der Held umschlossen;
Da rächte sich Chriemhilde fürchterlich:
Schuldlose können sterbend Ehre werben,
Wie Zünder müssen Schuldige verderben.

* * *

Noch manche and're kühne Heldengeister
Hat uns des Sängers hohes Lied genannt,
Und nur der erste aller deutschen Meister,
Der Sänger selber blieb uns unbekannt.
Doch warum fraget kindisch ihr: "Wie heißt er,
Der sang das Lied vom deutschen Vaterland?"
Schall ist sein Nam', doch was er uns gesungen,
Ist tief in jedes deutsche Herz gedrungen.

Benedikt Waldeck (1802-1870)