Dieses Blog durchsuchen

Donnerstag, 28. Juni 2018

Sorry



Sorry, im Moment ruht Tageshaiku. Aus zeitlichen Gründen schaffe ich es gerade nicht, aber es wird bald weitergehen.
Einen schönen Sommer wünscht
Silvia Kempen






Foto: © Silvia Kempen




Montag, 25. Juni 2018

Längster Tag




Längster Tag im Jahr.
In gemessenen Salven
flötet die Amsel.




(Longest day of the year. / With measured discharges / the blackbird warbles.)
 
Beate Conrad
 
 
 
 
***************************************************************





Horch - von fern ein goldenhelles Flöten

Horch - von fern ein goldenhelles Flöten,
auf - hinaus -, den ewigen Wurm zu töten,
der dir rastlos raunt: Wo blieb dein Glück?
Sehnsucht laß zu Hause nur zurück.

Fern im Blauen müssen Wunder liegen,
fern im Blauen wird dein Genius siegen!
Wo die Rosenhänge leuchtend stehn,
unter Ilios lichten Sonnenhöhn.

Fort vom Ofen - der beschränkten Enge,
in die Weite locken Wunderklänge,
lockt der Liebe flötensüß Getön:

Bin das Einzige - die Menschensonne,
noch in Höllen Paradieseswonne -,
selbst der Tod in meinem Arm ist schön!

Hermione von Preuschen (1854-1918)
 
 
 
 

Sonntag, 24. Juni 2018

Schreibblockade





Schreibblockade
wie das Mondlicht spielt
mit kahlen Wänden





(writer's block / how the moonlight plays / with bare walls)

Diana Michel-Erne



(Übersetzung: Silvia Kempen)
***************************************************************



Jetzt mag der Mond auf Mosaiken spielen

Jetzt mag der Mond auf Mosaiken spielen,
In stillen Kirchen, die man schüchtern meidet,
Beweint sein Licht den Heiland wohl, der leidet,
Weil die Geschöpfe ihrem Nichts verfielen.

Auch knieen blasse Schatten auf den Dielen
Und thränen, schwören, da die Nacht verscheidet:
So wird der Schein, der ihren Schein umkleidet,
Dort eingehn, hinter steilen Lichtprofilen.

Mein Augenblick, mein Traumgeschick wirft Schatten.
Was halte ich? Verlassen wir uns ganz?
Ich werde ja und mag schon langst ermatten.

Ich webe mich empor mit fernem Glanz:
Gestalten, die mich einst verleiblicht hatten,
Erschaut mein leises Wiedersein Byzanz.

Theodor Däubler (1876-1934)


 

Samstag, 23. Juni 2018

Sommerbrise







Sommerbrise
in den Federn eines Schwans
in der Ferne Segel





(summer breeze / lifting a swan's feathers / sails in the distance)

Klaus-Dieter Wirth
 
 
 
 

***************************************************************





Foto: © Silvia Kempen



Freitag, 22. Juni 2018

Morgendämmerung




Morgendämmerung.
Möwen folgen
dem Boot auf den See.




(Dawn. / Seagulls following / the boat to the lake.)

Volker Friebel




(Übersetzung: Silvia Kempen)
***************************************************************




Morgendämmerung

Der Morgen dämmert auf. Nicht jeder kennt
Des jungen Tages lieblichsten Moment,
Die heilige Ruh', des Weltalls Frühgebet,
Das wie ein linder Hauch gen Himmel weht.
Sie liegen träge schlummernd wie im Tod,
Bis sie ersaßt des bunten Lebens Noth,
Mit tausendfält'ger Pflicht sie überstürzt
Und sie zu steter Arbeit treibt und schürzt.
Es wird geschafft, gewuchert und gestrebt,
Es wird erworben, aber nicht gelebt.
Sie langen athemlos am Abend an
Und morgen spielt dasselbe Spiel sodann. —
O Trug der Welt! das nennen Leben sie,
Sie feilschen nur darum und leben nie.

Der Morgen dämmert auf. Das ewige Meer
Liegt feiernd um die stolze Villa her,
Die, auf den Uferfelsen kühn erbaut,
Das Meer beherrscht und in die Lande schaut.
O Dichterglück, das ruhig ihm gegönnt,
Und das ihr nie, Geldmenschen, ahnen könnt,
Das ihn zum Herrn der schönsten Wunder weiht
Und Farbe ihm und Pinsel willig leiht,
In leichtem Zug, der Götter Kunstgenoß,
Zu schaffen wieder, was sein Herz genoß.

Still ist's. Die Welle bricht sich ohne Ton,
Der Vogel schweigt, ob er erwachte schon,
Es rauscht kein Blättchen, keine Grille zirpt,
So schweige Alles, wenn ein Edler stirbt.
Und was sich regt, regt sich so leis und lind,
So süß, wie seinen Mund bewegt ein Kind,
Wenn es im Schlafe lächelt. —
Die Nacht entflieht, doch eh' der Aether rein,
Erglimmt das Meer in klarem Silberschein
Endlos und endlos herrlich, bis gemach
Sich über ihn erhebt der bleiche Tag.

Karl Hermann Schauenburg (1819-1876)
Aus der Sammlung Leben und Lied



Donnerstag, 21. Juni 2018

in der Pforte





in der Pforte
die Kraft
des Zweifelns spüren





(in the gate / sensing the power / of doubting)

Friedrich Kelben



(Übersetzung: Silvia Kempen)
***************************************************************




Foto: © Bernd Sterzl / pixelio.de









Mittwoch, 20. Juni 2018

fotoshooting





fotoshooting
hinter Damaszener Rosen
ihre Brüste





(photo shooting / behind damask roses / her breasts)

Angelika Holweger



(Übersetzung: Silvia Kempen)
***************************************************************



Rosenduft


Weinrot brennen Gewitterwinde.
Purpurblau der Seerand.
Hyazinthentief die ferne Küste.

Ein Regenbogen veilchenschwül
Schmilzt durch weihrauchblaue Abendwolken.
Im Taudunkel lacht
Eine heiße Nachtigall.

Max Dauthendey (1867-1918)



Dienstag, 19. Juni 2018

In Flanders Fields





In Flanders Fields
ihre Tränen beim Anblick
der Mohnblumen





(In Flanders Fields / her tears at the sight / of poppies)

Chris David
 
 
 
(Übersetzung: Silvia Kempen)
***************************************************************





Foto: © Chris David




In Flanders Fields

In Flanders fields the poppies blow
Between the crosses, row on row,
That mark our place; and in the sky
The larks, still bravely singing, fly
Scarce heard amid the guns below.

We are the dead. Short days ago
We lived, felt dawn, saw sunset glow,
Loved, and were loved, and now we lie
In Flanders fields.

Take up our quarrel with the foe:
To you from failing hands we throw
The torch; be yours to hold it high.
If ye break faith with us who die
We shall not sleep, though poppies grow
In Flanders fields.

John McCrae (1872-1918)


In Flanderns Feldern

In Flanderns Feldern blüht der Mohn
zwischen Kreuzen, Glied in Glied
und weit, weit über uns da fliegt
eine Lerche, kaum vernommen
in einer Welt, die sich bekriegt

Wir sind die Toten. Lang ist es nicht
da lebten wir in des Tages Licht
liebten und wurden geliebt, und nun liegen wir
in Flanderns Feldern

Führt fort die Wehr gegen den Feind
Nehmt aus unserer fahlen Hand
die Fackel, und seid das Licht, das scheint.
Verwehrt uns diese Bitte nicht
auf dass wir ruhen, wenn die Blüte bricht
in Flanderns Feldern

Übersetzung von Dominik Dresel




Montag, 18. Juni 2018

Meditation





Meditation
im Sonnenlicht Staubpartikel
& ich





(meditation / in the sunlight dust particles / & me)

DietmarTauchner



(Übersetzung: Silvia Kempen)
***************************************************************





Foto: © Marcus Klaus / pixelio.de



Sonntag, 17. Juni 2018

Monets Sonnenaufgang





Monets Sonnenaufgang
nur für heute
seine Farben ausleihen





(Monet's sunrise / only for today / borrowing his colors)

Ilse Jacobson



(Übersetzung: Silvia Kempen)
***************************************************************




Sonnenaufgang

Es weilet über den Wassern ein blauer leiser Duft,
Der Hauch der Liebesboten, Frühlicht und Morgenluft;
Sie meldeten den Geliebten und haben die See gefragt:
„Schaust du die ersten Gluten der goldnen Wagenpracht?“

Und sieh! ein stilles Schauern, halb freudig und halb bang;
Sie hebet sanft den Busen in leisem Wellendrang
Dem Kommenden entgegen und seinem ersten Gruß,
Zu trinken und wieder zu trinken den heißen Strahlenkuss.

Hermann Hölty (1828-1897)
Aus der Sammlung Bilder und Balladen



Samstag, 16. Juni 2018

Der Mond





Der Mond
gespiegelt im See
nur ein Steinwurf






(The moon / mirrored in the lake / a stone's throw)

Friedrich Winzer



(Übersetzung: Silvia Kempen)
***************************************************************



O Mond

Vergleichst du den Mond einem kindischen Greise?
Er braucht unsre Träume, die Meere, zum Spiel
Und holt sich die Dichter zu lichtblauer Reise,
Er freut sich an Fahrten, entführt dich dem Ziel.

Der Mond ist viel älter als Sonne und Erde.
Er kann keine Wonne und Sehnsucht verstehn,
Er hat seiner Fischer ergebene Herde
Und läßt über Eiswälder Schneewinde wehn.

Der Mond ist ein Volksgott, so alt wie die Leute,
Du magst ihn verachten: er ist mir zu jung.
Sein Kommen entwolkt das erscheinende Heute.
Dann macht er kopfüber ins Meer seinen Sprung.

Theodor Däubler (1876-1934)
Aus der Sammlung Der sternenhelle Weg



Freitag, 15. Juni 2018

Sommerkonzert





Sommerkonzert
über dem Notenpult
summt eine Hummel




(summer concert / above the music stand / a bumblebee hums)
 
Franz Kratochwil
 
 
 
*(Erstveröffentlichung: Klaviersonate, Mohland Verlag,2010)
(Übersetzung: Silvia Kempen)

***************************************************************






Foto: © Raphael Reischuk / pixelio.de