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Mittwoch, 21. Februar 2018

Kalte Felskante





Kalte Felskante.
Eine Feder vom vorbei-
ziehenden Falken.





(Cold edge of the cliff. / A feather from a falcon / passing by)

Beate Conrad




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Foto: © günther gumhold / pixelio.de




Dienstag, 20. Februar 2018

Februarschneesturm





Februarschneesturm -
wie er wild übers Land rast
bös, zubeißend, weiß





(February snow-storm / chasing wild across the land, / beastly biting, white)

Horst Ludwig




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So wild im Sturm die Lebensreise

So wild im Sturm die Lebensreise
Hinflutet sonder Ruh' und Rast,
Manchmal erklingen hör' ich's leise:
Du hast mich nie im Ernst gehaßt.
Die Menschen nur so klug und weise,
Sie löschen gern, was heilig brennt.
Manchmal erklingen hör' ich's leise:
Wir sind von Fremden nur getrennt.
Und trägt ein Traum im Strahlengleise
Die Seele hoch, vom Gram betrübt,
Manchmal erklingen hör' ich's leise:
Du hast mich dennoch still geliebt.

Ferdinand Groß (1812 - 1885)
Bürgermeister von Lahr und Mitherausgeber des Lahrer Wochenblatts
 
 
 
 

Montag, 19. Februar 2018

Winternebel





Winternebel
in ihrem Schulheft
tausend Herzen





(winter fog / in her exercise book / a thousand hearts)

Silvia Kempen




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Foto: © Rosel Eckstein / pixelio.de




Sonntag, 18. Februar 2018

Lärchenzweige





Lärchenzweige -
unter jeder Meise eine
Schneeschleuder





(larch branches - / under every chickadee / a snow catapult)

 Valeria Barouch




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Die Meise

Auguste, wie fast jede Nichte,
Weiß wenig von Naturgeschichte.
Zu bilden sie in diesem Fache,
Ist für den Onkel Ehrensache.
»Auguste«, sprach er, »glaub es mir,
Die Meise ist ein nettes Tier.
Gar zierlich ist ihr Leibesbau,
Auch ist sie schwarz, weiß, gelb und blau.
Hell flötet sie und klettert munter
Am Strauch kopfüber und kopfunter.
Das härtste Korn verschmäht sie nicht,
Sie hämmert, bis die Schale bricht.
Mohnköpfen bohrt sie mit Verstand
Ein Löchlein in den Unterrand,
Weil dann die Sämerei gelind
Von selbst in ihren Schnabel rinnt.
Nicht immer liebt man Fastenspeisen,
Der Grundsatz gilt auch für die Meisen.
Sie gucken scharf in alle Ritzen,
Wo fette Käferlarven sitzen,
Und fangen sonst noch Myriaden
Insekten, die dem Menschen schaden;
Und hieran siehst du außerdem,
Wie weise das Natursystem.« -
So zeigt’ er, wie die Sache lag.
Es war kurz vor Martinitag.
Wer da vernünftig ist und kann’s
Sich leisten, kauft sich eine Gans.
Auch an des Onkels Außengiebel
Hing eine solche, die nicht übel,
Um, nackt im Freien aufgehangen,
Die rechte Reife zu erlangen.
Auf diesen Braten freute sich
Der Onkel sehr und namentlich
Vor allem auf die braune Haut,
Obgleich er sie nur schwer verdaut.
Martini kam, doch kein Arom
Von Braten spürt’ der gute Ohm.
Statt dessen trat voll Ungestüm
Die Nichte ein und zeigte ihm
Die Gans, die kaum noch Gans zu nennen,
Ein Scheusal, nicht zum Wiederkennen,
Zernagt beinah bis auf die Knochen.
Kein Zweifel war, wer dies verbrochen,
Denn deutlich lehrt der Augenschein,
Es konnten nur die Meisen sein.
Also, ade, du braune Kruste! -
»Ja, lieber Onkel«, sprach Auguste,
Die gern, nach weiblicher Manier,
Bei einem Irrtum ihn ertappt:
»Die Meise ist ein nettes Tier.
Da hast du wieder recht gehabt.«

Wilhelm Busch (1832-1908)




Samstag, 17. Februar 2018

Origami





Origami
zum Abschluss faltet sie
die Hände





(origami / finaly she folds / the hands)

Friedrich Winzer




(Übersetzung: Silvia Kempen)
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Foto: © günther gumhold / pixelio.de




Freitag, 16. Februar 2018

im späten Winterregen





im späten Winterregen
Fliederduft




(in the late winter rain / lilac scent)

Ilse Jacobson




(Übersetzung: Silvia Kempen)
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Spät

Daß wir uns so spät begegnet,
War für mich ein Mißgeschick,
Dennoch sei der Tag gesegnet,
Der gebracht mir so viel Glück!

Denn es ward mir mehr gegeben
Schon in dieser kurzen Zeit,
Als ein ganzes Menschenleben
Einem andern sonst verleiht.

Johann Meyer (1829-1904)
Aus der Sammlung Hochdeutsche lyrische Gedichte



Donnerstag, 15. Februar 2018

Wintersonne





Wintersonne -
noch geht ein langer Schatten
neben mir




(Winter sun - / still there is going a long shadow / next to me)

Brigitte ten Brink




(Übersetzung: Silvia Kempen)
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Foto: © Stihl024 / pixelio.de