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Dienstag, 22. Mai 2018

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das Wechselspiel
von Sonne und Klavier




(open a window ... / the interplay / from sun and piano)

Horst-Oliver Buchholz



(Übersetzung: Silvia Kempen)
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Am Klavier

Spiel was von Mozart! Ich liebe dich sehr:
Spiel was von Mozart! Dann lieb' ich dich mehr!
Mädchen, von Mozartwohlklang umflossen:
Alle Schönheit liegt drinnen verschlossen.

Ich seh' auf den Tasten den hüpfenden Reigen
Schlanker Finger sich tummeln und neigen,
Zehn Finger hüpfen im wirbelsichern,
Jubelnden Tanz und die Töne kichern.

Das strömt so hell aus den Saiten heraus,
Wie Kinder aus einem dunklen Haus,
Ist rein und klar, wie Frühlingslüfte,
Und süß und innig, wie Frühlingsdüfte.

Da wird der Wohllaut zur Farbe und glitzt
Und schimmert und flimmert und leuchtet und blitzt!
Fünfhundert Falter mit funkelndem Glanze
Schweben um dich in sprühendem Tanze!

Singende Falter! Du Zauberin du,
Selig schau' ich dem Märchen zu,
Und mein klingendes Herz auf Falterschwingen
Wiegt sich inmitten den Schmetterlingen...

Hugo Salus (1866-1929
Aus der Sammlung Die Blumenschale




Montag, 21. Mai 2018

Pfingstmontag





Pfingstmontag
das frische Birkengrün welkt
am Fahrrad




(Whit Monday / the fresh birch green wilts / on the bike)

Silvia Kempen




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Foto: © Löwenzahn / pixelio.de




Sonntag, 20. Mai 2018

Royale Hochzeit





Royale Hochzeit
das Vogelkonzert am Morgen
lauter als sonst




(Royal wedding / the bird concert in the morning / louder than usual)

Marita Bagdahn



(Übersetzung: Silvia Kempen)
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Vogelhochzeit

Ein Vogel wollte Hochzeit halten
in dem grünen Walde.
Fide rallala, fide rallala, fide rallalalala.

Der Stieglitz war der Bräutigam,
er singt zu Gottes Gloriam.
Fide rallala, fide rallala, fide rallalalala.

Die Amsel war die Braute,
trug einen Kranz von Raute.
Fide rallala, fide rallala, fide rallalalala.

Der Sperber, der Sperber,
der war der Hochzeitswerber.
Fide rallala, fide rallala, fide rallalalala.

Der Stare, der Stare,
der flocht der Braut die Haare.
Fide rallala, fide rallala, fide rallalalala.

Die Lerche, die Lerche,
die führt’ die Braut zur Kerche.
Fide rallala, fide rallala, fide rallalalala.

Der Auerhahn, der Auerhahn,
der war der würd’ge Herr Kaplan.
Fide rallala, fide rallala, fide rallalalala.

Die Meise, die Meise,
die sang das Kyrieleise.
Fide rallala, fide rallala, fide rallalalala.

Der schwarze Rab’, das war der Koch,
das sieht man an dem Kleide doch.
Fide rallala, fide rallala, fide rallalalala.

Der grüne Specht, der grüne Specht,
der war des K¨uchenmeisters Knecht.
Fide rallala, fide rallala, fide rallalalala.

Die Elster, die ist schwarz und weiß,
die bracht’ der Braut die Hochzeitsspeis’.
Fide rallala, fide rallala, fide rallalalala.

Der Wiedehopf, der Wiedehopf,
der brachte gleich den Suppentopf.
Fide rallala, fide rallala, fide rallalalala.

Die Schnepfe, die Schnepfe
setzt’ auf den Tisch die Näpfe.
Fide rallala, fide rallala, fide rallalalala.

Die Finken, die Finken,
die gab’n der Braut zu trinken.
Fide rallala, fide rallala, fide rallalalala.

Der Storch mit seinem Schnabel,
der brachte Messer und Gabel.
Fide rallala, fide rallala, fide rallalalala.

Die Puten, die Puten,
die machten breite Schnuten.
Fide rallala, fide rallala, fide rallalalala.

Die Gänse und die Anten,
die war’n die Musikanten.
Fide rallala, fide rallala, fide rallalalala.

Der Pfau mit seinem bunten Schwanz
tat mit der Braut den ersten Tanz.
Fide rallala, fide rallala, fide rallalalala.

Frau Nachtigall, Frau Nachtigall,
die sang mit ihrem schönsten Schall.
Fide rallala, fide rallala, fide rallalalala.

Die Greife, die Greife,
die spielten auf der Pfeife.
Fide rallala, fide rallala, fide rallalalala.

Der Seidenschwanz, der Seidenschwanz,
der singt das Lied vom Jungfernkranz.
Fide rallala, fide rallala, fide rallalalala.

Der Kucku’, der Kucku’,
der spielt’ die Laut’ und sang dazu.
Fide rallala, fide rallala, fide rallalalala.

Der Geier, der Geier,
der spielte auf der Leier.
Fide rallala, fide rallala, fide rallalalala.

Der Papagei, der Papagei,
der machte drob ein groß’ Geschrei.
Fide rallala, fide rallala, fide rallalalala.

Die Taube, die Taube,
die bracht’ der Braut die Haube.
Fide rallala, fide rallala, fide rallalalala.

Brautmutter war die Eule,
nahm Abschied mit Geheule.
Fide rallala, fide rallala, fide rallalalala.

Das Finkelein, das Finkelein,
das führt’ das Paar zur Kammer rein.
Fide rallala, fide rallala, fide rallalalala.

Der Uhu, der Uhu,
der schlug die Fensterläden zu.
Fide rallala, fide rallala, fide rallalalala.

Die Fledermaus, die Fledermaus,
die zog der Braut die Strümpfe aus.
Fide rallala, fide rallala, fide rallalalala.

Der Hahn, der krähet: ”Gute Nacht!“
Jetzt wird die Kammer zugemacht.
Fide rallala, fide rallala, fide rallalalala.

Autor unbekannt



Samstag, 19. Mai 2018

Dosentelefon







Dosentelefon
die Bastelanleitung
online



 (tin can phone / the tinker instruction / online)


Eva Limbach




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Foto: © Hans Peter Dehn / pixelio.de





Freitag, 18. Mai 2018

erste Knospen




erste Knospen
Don Juans Haare
wieder schwarz




(first buds / Don Juan's hair / black again)

Diana Michel-Erne


(Übersetzung: Silvia Kempen)
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DON JUAN

Hab ich nicht stets eure Seele gesucht,
die ihr mich gierig und grausam wähntet:
Hab ich euch nicht, so tief ihr mir flucht,
nur das gegeben, was ihr ersehntet?

Euch aber ward es so wenig bewußt,
daß mich durch Rausch und durch jagende Lust
immer nur Sehnsucht trieb nach der Einen,
die mich hätte zu segnen gewußt.

So bin ich mit vielen zu kurzem Verbleib
auf der Brücke des Bluts zusammengekommen:
Habe gegeben und habe genommen,
war berauscht und betört und beklommen
im Taumel mit Weibern, in Durst nach dem Weib.

Aber die Eine, die Reine, die Tiefe
war nur in einsamsten Nächten mein,
wenn angstvoll ich horchte, ob alles schon schliefe,
daß man nicht höre, wie heilig es riefe.
Josef Weinheber (1892-1945)




Donnerstag, 17. Mai 2018

Apfelblüte





Apfelblüte
Konfetti-Regen
von den Bäumen




(apple blossom / confetti rain / from the trees)
Georges Hartmann
 
 
 
(Übersetzung: Silvia Kempen)
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Foto: pixabay





Mittwoch, 16. Mai 2018

Maiglöckchen





Maiglöckchen
blühen
auf der Serviette




(lily of the valley / flourish / on the napkin)

Rosemarie Schuldes




(Übersetzung: Silvia Kempen)
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Maiglöckchen

Ihr Glöcklein, wie klingt ihr so lieblich!
Ihr Blümlein, wie blüht ihr so schön!
Es dringt euer Klang mir zum Herzen,
Ich kann eure Sprache verstehn.

Es scheint euer Klingen und Singen
Mir lauterer Liebe Ton;
Ich möcht’ meinen Dank euch bringen,
Und schuldigen Minnelohn.

So will ich, ihr Blümlein, euch pflücken,
Und senden zum Liebchen euch hin;
Sie wird an den Busen euch drücken
Mit treuem und fröhlichem Sinn.

Dann müsset ihr schöner erblühen
Und bringen den herzlichsten Gruß;
Es werden die Wangen ihr glühen,
Sie lohnt euch im feurigen Kuss.

Dann Glöcklein! dann klingt ihr so lieblich,
O Blümlein, dann blüht ihr so schön!
Es dringt euer Klang ihr zum Herzen,
Sie kann eure Sprache verstehn!

Arthur Lutze (1813-1870)