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Mittwoch, 23. August 2017

angespült





angespült
Sätze die wir herumtragen
der Sommerwind und ich




(washed ashore / sentences we carry around  / the summer wind and I)

Heike Gewi




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 Haiga: © Heike Gewi




Dienstag, 22. August 2017

Hinterhofhitze





Hinterhofhitze -
ein Mädchen lässt
die Katzen hinein*




(Backyard Heat - / a girl lets / the cats go in)

Gerd Börner




*(Erstveröffentlichung: Hinterhofhitze 2005)
(Übersetzung: Silvia Kempen)
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Die Katzen

Sie sind sehr kühl und biegsam, wenn sie schreiten,
Und ihre Leiber fließen sanft entlang.
Wenn sie die blumenhaften Füße breiten,
Schmiegt sich die Erde ihrem runden Gang.

Ihr Blick ist demuthaft und manchmal etwas irr.
Dann spinnen ihre Krallen fremde Fäden,
Aus Haar und Seide schmerzliches Gewirr,
Vor Kellerstufen und zerbrochnen Läden.

Im Abend sind sie groß und ganz entrückt,
Verzauberte auf nächtlich weißen Steinen,
In Schmerz und Wollust sehnsuchtskrank verzückt
Hörst du sie fern durch deine Nächte weinen.

Aus der Sammlung Das frühe Fest




Montag, 21. August 2017

zwischen zwei fingern







zwischen zwei fingern

den sommer zerreiben

wilder majoran





(between to fingers / grinding the summer / wild marjoram)

Birgit Schaldach-Helmlechner




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Foto: © uschi dreiucker / pixelio.de




Sonntag, 20. August 2017

angekommen





angekommen -
sorgsam fülle ich das blau
in meine leere palette






(arrived - / carefully I fill the blue / in my empty palette)





(Übersetzung: Silvia Kempen)
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Ankunft

Nimm des alten Treibens Müden,
Nimm mich gütig auf, o Süden,
Flüchtig, bittend komm’ ich dir.
Gönne du von aller Schöne
Deiner Blüten, deiner Töne
Nur ein kleines Teilchen mir.

Nicht das alte Freudenleben,
Das ich, das mich aufgegeben -
Nutze such’ ich, kurze Rast.
Jugend bei Zypressenbäumen
Such’ ich nicht, doch lasse träumen
Schön von ihr den trüben Gast.

Nicht in schönsten Pinienhainen
Kann sie wieder je erscheinen,
Wem sie einmal ward geraubt -
Aber beuge, aber neige
Deines Ölbaums Friedenszweige
Kühlend auf mein heißes Haupt.

Moritz Hartmann (1821-1872)
Aus der Sammlung Aus dem Süden
 
 
 
 

Samstag, 19. August 2017

bussardrütteln






bussardrütteln
in der stille der felder
zwei jogger




(buzzard shake / in the quietness of fields / two joggers)

Peter Wißmann




(Übersetzung: Silvia Kempen)
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Foto: © Bernd Kasper / pixelio.de




Freitag, 18. August 2017

dein





dein
dennoch
roter mohn





(your / nevertheless / red poppy)

Ilse Jacobson




(Übersetzung: Silvia Kempen)
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Dennoch.

Und wurde auch mein Hoffen immer schwächer,
Ich hoffe dennoch, wie am Kreuz der Schächer,
Auf’s Paradies. – Ich hoffe auf Erlösung
Der Menschheit aus dem Grabe der Verwesung,
Des Drucks, der Tyrannei, der schnöden Mache –
Ich hoffe auf den Sieg der guten Sache.

Heinrich Kämpchen (1847-1912)
Aus der Sammlung Heimat



Donnerstag, 17. August 2017

in soil






in soil
half of the bottle cap . . .
he paints a blue sky



 
(im Boden / der halbe Flaschenverschluss . . . / er malt einen blauen Himmel)

Nicholas Klacsanzky (Ukraine)




(Übersetzung: Silvia Kempen)
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Foto: © Klicker / pixelio.de




Mittwoch, 16. August 2017

Augustrasen





Augustrasen
knirschende Schritte
auf Stroh






(august lawn / crunching steps / on straw)

Kurt F. Svatek




(Übersetzung: Silvia Kempen)
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Ruhlose Schritte

So wollte Gott, ich hätt' dich nie gesehn!
Ich lausche zitternd, wie die Stürme gehn
Mit ihrem scheuen, ruhelosen Schritt
Und schluchze auf - und wandre müde mit.

Es war ein Tag, da jauchzt' ich in ihr Wehn!
Wie ist mir nun so bitter Leid geschehn -
Ach, der mich küßte, ließ mich bald allein,
Es weckt kein Sturm mir den Gesellen mein.

Anna Ritter (1865-1921)
Aus der Sammlung Fremdes Leben



Dienstag, 15. August 2017

Kräuterbuscheltag





Kräuterbuscheltag*
morgens in aller Frühe
Schnecken sammeln




(Kräuterbuscheltag** / early in the morning / collecting snails)

Silvia Kempen




*In Süddeutschland und in Österreich ist es Brauch, an diesem Tag Sträuße aus Kräutern zur Weihe in die Kirche zu bringen, die einen dann das Jahr über schützen sollen, etwa vor Blitzschlag oder vor Krankheit im Haus.
Es ist das katholische Fest Mariä Himmelfahrt am 15. August.
**In southern Germany and in Austria is it customary to bring bouquets of herbs to the church on this day, which should protect one year, for example, from lightning or illness in the house.
It is the catholic feast of the Assumption of the Virgin Mary on 15 August.

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Foto: © M. Großmann / pixelio.de




Montag, 14. August 2017

langer Strand







langer Strand ...
zwischen all den Muscheln
suche ich meine





(long beach ... / between all the shells / I am looking for mine)

Claudia Brefeld




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Gesang der Muscheln

Hier auf deinem Fensterbrette
Durcheinander hingetan,
Träumen wir vom Wiegenbette,
Träumen wir vom Ozean.

Unter Algen, unter Moosen,
Tief im Wald von Silbertang,
Lebten einen sehnsuchtslosen
Tag wir, tausend Jahre lang.

Oben die kristallne Wandung,
Die uns von dem Himmel trennt,
Und im Ohr den Ruf der Brandung,
Die den Klippenwall berennt.

Dunkle Purpurrosen blühten
Aus der Finsternis umher,
Tausend Augen blitzten, glühten
Gleich Demanten rings im Meer.

Und nun liegen wir und glänzen
Hier auf deinem Fensterbrett,
Deine grellen Blumen kränzen
Unser hartes Totenbett.

Und in deinen Händen fühlen
Wir dein heißes Blut mit Scham.
Ach, als noch in ihre kühlen
Finger uns die Nixe nahm!

Ihre Silberflossen glitten
Leise unsern Leib entlang,
Und wir zitterten und litten,
Lauschten ihrem Ferngesang.

Tauche du nur einmal nieder,
Wo das Dunkel purpurn scheint,
Schenktest uns der Welle wieder,
Die um ihre Kinder weint.
Gustav Falke (1853-1916)
Aus der Sammlung Ausgewählte Gedichte



Sonntag, 13. August 2017

landweit der Himmel





landweit der Himmel*
noch viel schöner anzusehen
nach der Therapie






(big sky country / the more beautiful to see / after therapy)

Beate Conrad




*auch Big Sky Country (Land des großen Himmels), einer der Spitznamen für Montana, Bundesstaat der USA, da das teils flache und teils bergige Land so groß und weit ist, daß der Eindruck eines übergroßen Himmels entsteht. 
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Schön ist das Leben, ach schön, sehr schön

Schön ist das Leben, ach schön, sehr schön,
Schön ist’s und herrlich in Gottes Hut stehn,
Schau’n in die Sonne und Blumen hinein,
Heiter und glücklich und friedfertig sein.

Friederike Kempner (1836-1904)




Samstag, 12. August 2017

südwind






südwind
die vogelleichten schuhe
meiner träume





(south wind / my dreams‘ shoes / light as birds)

Helga Stania




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 Haiga: © Helga Stania




Freitag, 11. August 2017

Lächelmond





Lächelmond
Leuchtkäfer erhellen
meine Wahrnehmung





(moon smile / fireflies lighten / my perception)

Dietmar Tauchner




(Übersetzung: Silvia Kempen)
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Foto: © Rike / pixelio.de




Donnerstag, 10. August 2017

Sommerkonzert







Sommerkonzert
ich stimme in den Chor der
Rasenmäher ein




 (summer concert / I agree to the choir / of lawn mowers)

Brigitte ten Brink




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Das Konzert

Die nackten Stühle horchen sonderbar
Beängstigend und still, als gäbe es Gefahr.
Nur manche sind mit einem Mensch bedeckt.

Ein grünes Fräulein sieht oft in ein Buch.
Und einer findet bald ein Taschentuch.
Und Stiefel sind ganz gräßlich angedreckt.

Aus offnem Munde tönt ein alter Mann.
Ein Jüngling blickt ein junges Mädchen an.
Ein Knabe spielt an seinem Hosenknopf.

Auf einem Podium schaukelt sich behend
Ein Leib bei einem ernsten Instrument.
Auf einem Kragen liegt ein blanker Kopf.

Kreischt. Und zerreißt.

Alfred Lichtenstein (1889-1914)
Aus der Sammlung Die Dämmerung