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Montag, 13. Juni 2016

Blüten zupfen





Blüten zupfen
wir  kommen uns ins Gehege
die Hummeln und ich




(picking flowers / the bumblebees and I / getting in each other's way)

Marita Bagdahn




(Übersetzung: Silvia Kempen)
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Die Blüten

Schwül war der Tag, die stillen Lüfte glühten.
Da türmten sich der Wolken schwarze Wogen,
Der Regen fiel, gesackte Blitze flogen,
Und rollend scholl der grausen Donner Wüten.

Doch Luna kommt, der Sterne Heer zu hüten.
Schnell neues Leben hat Natur gesogen.
Der Westwind säuselt durch den Himmelsbogen,
Und öffnet zaub‘risch die verschloss‘nen Blüten.

Ein Dichter naht; ihm spricht die Welt entgegen,
Er lauscht entzückt, darf sich nicht weiter regen,
Und in das Gras am Baume sinkt er nieder.

Er sieht den Höchsten durch die Schöpfung gehen,
Um seine Schläfe säuselt geistig‘ Wehen,
Und Blüten ähnlich streben vor die Lieder.

Friedrich Treitschke (1776-1842)
Aus der Sammlung Sonette