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Donnerstag, 22. Oktober 2015

geschwärzte erde





geschwärzte erde
auf den abendfeldern
rasten krähen





(blackened earth / on the evening fields / crows have a rest)

Birgit Schaldach-Helmlechner


 
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Die Erde im Herbst.


Legt nur den Purpurmantel um die Glieder
Und schmückt zum Feste mich ein letztes Mal!
Wirf, Azur, mir den Silberschleier nieder.
Umhülle mich, du warmer Sonnenstrahl!
Wollt, gold'ne Lüfte, zitternd mich umspielen
Von sammtner Heide bis zum Firnenschnee:
Ich will wie eine Königsbraut mich fühlen,
Eh' still ich schlafen geh.

Legt mir das Weinlaub um die duft'gen Locken,
Reicht mit Gesängen mir den Goldpokal,
Und lasset froh die hellen Kirchenglocken
Rings laden zu des Jahres üpp'gem Mahl!
Laßt unter Lachen voll die Becher schäumen,
Und Jubel ziehen über Land und See,
Daß Wonne woge über meinen Träumen,
Wenn still ich schlafen geh.

Die bunten Blätter streuet nur zu Füßen,
Und malt der Pfirsich' Wange rot wie Blut;
Wollt, Lenzenstage, mich noch einmal grüßen
Und wecken mir die lang vergess'ne Glut!
Dicht an des Sommers Brust will ich mich betten
In Liebeslust und heißem Scheidensweh;
Und will umwunden sein von Rosenketten,
Wenn jetzt ich schlafen geh

Marie Itzerott (1857 - ?)
Aus der Sammlung Naturgenuß