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Mittwoch, 1. März 2017

spring gust




spring gust
the starfish
hunts





(Frühlingsböen / die Seesterne / suchen)

Nicholas Klacsanzky (Ukraine)





(Deutsche Übersetzung: Silvia Kempen)
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Frühlingswind

Die Augen geschlossen,
Tief atmend mit lechzendem Mund —
Umrauscht und umflosse
Wie von wiegender Welle —
Umwirbelt, umflüstert
Wie von Kindergespielen —
Umstreift und umringelt
Wie von weichem, flatterndem Haar
Erster, selig törichter Jugendliebe - -
In zerspringend sich dehnende Brust,
Hinein in jeden Tropfen des Blutes,
Bis in die Seele schauernd
Über die Berge braust
Der Frühlingswind.

Ich möcht’ auf Flügeln
Mit ihm stürmen,
Ihn niederringen
Wie einen Todfeind,
Mich um ihn schlingen,
Wie um den wiedergefundenen Freund -
In unendliche Weite davon,
Und ruhen am sonnigen Rain,
Von seinem Hauch überrieselt,
Schlafend, träumend,
Gedenkend, vergessend,
Alles zugleich —
Lachen, jubeln, weinen,
Über unermessliches Glück,
Über unsagbares Weh.

Wilhelm Jensen (1837-1911)
Aus der Sammlung Ausgewählte Gedichte