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Samstag, 25. April 2015

Aprilschnee





Aprilschnee
im Garten gegenüber
Magnolienblüten




(april snow / in the garden vis-a-vis / magnolia blossoms)

Susanne Effert



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Magnolie

Schon blähen dort schaumweiße Wölkchen
Sich auf zur frohen Wanderfahrt.
Jetzt ziehn sie fort — ein heit'res Völkchen
Zu luft'gen Reihen leicht geschaart.
O wer wie sie im Schwebefluge
Könnt' folgen seinem Wanderzuge
Mit einem trauten Reisepart!

Schon merk' ich heimlich im Gemüte
Ein Necken und ein Rufen leis —
Es zieht mich die Magnolienblüte
Von fern in ihren Zauberkreis.
Jetzt schwellt sie ihre sammt'ne Hülle
Und drin süßschweren Duftes Fülle —
Bald wird sie schimmern silberweiß.

Und lieblich winkt ein Seegestade,
Dort glänzt und gleißt der weiße Sand,
Dort locken Silberglimmerpfade
Zu wandern durch das sonn'ge Land.
Jetzt kommt's daher auf leichten Füßen
Das stumme Etwas, mich zu grüßen,
Das zieht mich hin zum fernen Strand!

Dort ruhn des Sees blaue Wellen
Im leuchtenden Frühsommertag.
Sie rauschen träumend auf und schwellen
Empor im kecken Ruderschlag,
Wo Barken ziehn in weiten Kreisen
Auf gold'nen, zitternden Geleisen
Wohin die Lust sie wiegen mag — —

Dort schmeicheln sanft die weichen Lüfte,
Dort blaut ein Himmel tief und mild
Und ewig junge Blütendüfte
Zieh'n segentriefend durch's Gefild —
Dort rankt noch aus verfallenem Steige
Grün auf die Rebe und die Feige
Fruchtbar in üpp'ger Schönheit wild.

O nehmt mich mit, schaumweiße Wölkchen
Dorthin, wo die Magnolie blüht!
Der Wanderwünsche loses Völkchen
Durchhastet ruhlos mein Geblüt —
Was dunkle Ahnen uns vererben:
Der Zug nach Süden — darf nicht sterben
Im tiefen menschlichen Gemüt.

Aus der Sammlung Sommerfäden