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Freitag, 12. Januar 2018

Schlittenabfahrt





Schlittenabfahrt
immer öfter verliere ich
die Spur






(sleigh-run down hill / faster and faster I lose / the traces)

Birgit Heid




(Übersetzung: Horst Ludwig)
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Foto: © Peter Smola / pixelio.de




Donnerstag, 11. Januar 2018

Winternacht





Winternacht
plötzlich so lang ... die Worte
der Fremden




(winter night / suddenly so long ... the words / of strangers)

 Gabriele Hartmann





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In der fremden Stadt

Lange Häuser schwarz verborgen, -
Menschen, ganz in dunkler Tracht,
Gehn und tragen ihre Sorgen,
Ihre Freuden durch die Nacht.

Kein Gesicht ist zu erkennen,
Ob in Lust, ob schmerzentstellt, -
Und dies Treiben und die Rennen
Eine bange Märchenwelt!

Lichter scheinen, und es runden
Menschen sich herum im Kreis,
Scherz und Spiel vertreibt die Stunden,
Ernste Rede laut und leis.

Dort die Fenster glanzgerötet, -
Ist’s ein Sarg, ist’s Hochzeitslust?
Alles fremd, das Herz nur betet:
Fried‘ und Segen jeder Brust!

Adolf Ritter von Tschabuschnigg (1809-1877)




Mittwoch, 10. Januar 2018

Frostnacht






Frostnacht 
die heisere Stimme
einer Geige




(frosty night / the hoarse voice / of a violin)

Gerda Förster





(Erstveröffentlichung: Haiku heute, Ausgabe Februar 2015)
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Wind und Geige

Drinnen im Saal eine Geige sang,
sie sang von Liebe so wild, so lind.
Draussen der Wind durch die Zweige sang:
Was willst du, Menschenkind?

Drinnen im Saale die Geige sang:
Ich will das Glück, ich will das Glück!
Draussen der Wind durch die Zweige sang:Es ist das alte Stück.

Drinnen im Saale die Geige sang:
Und ist es alt, für mich ist's neu.
Draussen der Wind durch die Zweige sang:
Schon mancher starb an Reu.

Der letzte Geigenton verklang;
die Fenster wurden bleich und blind;
aber noch lange sang und sang
im dunklen Wald der Wind ...

Was willst du, Menschenkind ...

Christian Morgenstern (1871-1914)
Aus der Sammlung Ein Sommer



Dienstag, 9. Januar 2018

weekly market





weekly market
on a rack
candles with coffee beans
granny loved it too
slurping from the saucer*




(Wochenmarkt / auf einem Regal / Kerzen mit Kaffeebohnen / Großmutter hat es geliebt / von der Untertasse zu schlürfen)

Ramona Linke



*(Erstveröffentlichung: Gogyoshi Monthly, Issue Three, January 2016)
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 Foto: © doro52 / pixelio.de




Montag, 8. Januar 2018

weißer Tau






weißer Tau -
ich trinke meinen Tee
aus deiner Schale





 (white dew - / sipping my tea / out of your bowl)

Eva Limbach




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Schnecken-Tee

Ich hatte einmal - (du darfst nicht erschrecken)
zwei Schnecken
(Frau Schlanders und Frau Wanders)
zum Tee eingeladen,
leider den Schnecken zum Schaden.

Ich saß mit dem Tee im Garten,
die Beiden zu erwarten,
- - - - - - - - - - - - - - - - - -
die Sonne war längst verglommen -
der Mond kam herauf geschwommen -
aber sie sind nicht gekommen.

Und als sie endlich kamen,
die Damen,
die Frau Schlanders und die Frau Wanders -
- - - - - - - - - - - - - - - - - -
da wohnt’ ich schon wieder ganz woanders.

Friedrich Kayssler (1874-1945)




Sonntag, 7. Januar 2018

Neuschnee





Neuschnee
das kleine Dorf
bewahrt sein Geheimnis




(fresh snow / the small village / preserves its secret)

Christof Blumentrath




(Übersetzung: Silvia Kempen)
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Schnee

Nacht und Tag im dichtesten Gewimmel
Wirbelten die weißen Flocken nieder,
Leise, leise. Aber nun am Himmel
Dunkeln all die gold‘nen Sterne wieder.

Ein verzaubert Land im Mondenscheine
Liegt das Feld und die verschneiten Höben.
In der weiten fleckenlosen Reine
Ist kein einz'ger dunkler Weg zu sehen.

Ist es nicht, als ob in dieser Stunde
Unsre Welt von keiner Sünde wusste?
Und als ob zu einem heil‘gen Bunde
Sich der Himmel und die Erde küsste?

Emil Besser (1863-?)
Aus der Sammlung Wie sich Wandersleute grüßen




Samstag, 6. Januar 2018

gegen die Kälte





gegen die Kälte
ihre Finger formen
gemeinsam ein Herz




(against the cold / their fingers form / a heart together)

Tobias Tiefensee




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Foto: © pixabay