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Mittwoch, 2. August 2017

Hand in Hand





Hand in Hand ...
unsere Schatten
von Wolken gelöscht




(hand in hand ... / our shadows / deleted of clouds)

Friedrich Winzer




(Übersetzung: Silvia Kempen)
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Hand in Hand

Siehst du noch den grauen Bogen?
Draußen lag das grüne Land,
Drob die hohen Wolken zogen,
Und wir gingen Hand in Hand.
In den Lüften lag ein Klingen
Und ein Glanz umwob das Feld —
Sommer war es, und wir gingen
In die weite, fremde Welt.

Fliegen blitzten blau und golden
Hin und her, der Kuckuck rief;
Aufgeringelt unter Dolden
Lag die Schlange müd’ und schlief.
Hastig zogst im grünen Kleide
Du vorbei mich ohne Halt,
Und dann kam die rote Heide,
Und dann kam der dunkle Wald.

Siehst du noch die Stämme lauschen
An dem sonnbeglänzten Rand?
Hörst du noch die Kronen rauschen,
Wie bewegt von Geisterhand?
Fühlst du noch das stille Bangen,
Wie die Hände leis’ und traut
Heimlich fester sich verschlangen
Vor dem fremden Zauberlaut?

Siehst du noch den alten Bogen?
Schweigend kamen wir zurück —
Waldesrauschen, Windeswogen,
Süßes, fremdes, scheues Glück.
An der einsam grauen Mauer
Starb des Tages letzter Strahl,
Und die Nacht durchrann ein Schauer
Als ich dich küsste zum ersten Mal.

Wilhelm Jensen (1837-1911)
Aus der Sammlung Ausgewählte Gedichte




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