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Sonntag, 14. September 2014

Septemberrosen






Septemberrosen -
sorgfältig entferne ich
sämtliche Dornen






(september roses - / carefully I remove / all those thorns)

Eva Limbach 



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Die Rose

Ich habe den Traum der Rose belauscht,
der keusch vom kühlen Duft umsprüht
aus ihrer Blumenseele glüht;
ich hab ihn mit allen Sinnen belauscht
und mich berauscht.

Vom Sonnenstrahl hat sie geträumt,
der Tags in ihren Adern gährt,
sie Nachts mit Tau und Mondlicht nährt,
der wild für sie durchs Lufhneer schäumt,
damit sie träumt.

Doch von dem Goldkäfer weiß sie nicht,
der mühsam ihren Kelch erklimmt,
von ihrem Duft-betäubt sich krümmt,
den ihre rote Glut ersticht;
sie achtet’s nicht.

So prangt die Rose in keuscher Pracht
und freut sich ihrer Glut und lacht:
Ich habe die herrlichste Seele, Ich,
ich bin die Königin sicherlich
von meinen Blumenschwestern!

Und stahlblau kommt ein Falter geschwirrt
der ihr von Liebe surrt und girrt.
Dem haucht sie gnädig zu: laß ab,
,sonst wird mein glühender Schooß dein Grab,
ich bin die Braut des Lichtes!

Doch als der dritte Mittag kam,
seit ich den Traum der Rose vernahm,
da hing ihr königliches Haupt
im Sonnenglanz gebeugt, verstaubt,
vom heißen Licht erstochen.

Richard Dehmel (1863-1920)





Samstag, 13. September 2014

auf Pilzsuche






auf Pilzsuche
die Hände werden
blaubeerblau





(mushroom hunting / my hands are turning / blueberry blue)

Heike Gericke 



(Übersetzung: Silvia Kempen / Horst Ludwig)
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Foto: © Harry Hautumm / pixelio.de





Freitag, 12. September 2014

Windwurf






Windwurf -
in Wurzeln aufgehoben
die Steine





(Windthrow - / elevated in roots / the stones)


Susanne Jäggi




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Aus: Ein Sturm, Theodor Fontane (1819-1898), 3. Vers

Es ächzt und stöhnt der geschüttelte Wald -
Umsonst, ihn rettet kein Jammern!
Wie fest die Eiche sich klammert und krallt,
Zerbrochen werden die Klammern.
Und was von der Hand des Sturmes nicht fällt,
Das wird vom Speere des Blitzes zerspellt -
Tot liegen die Riesen des Waldes.




Donnerstag, 11. September 2014

white skyline






white skyline
reading the script
of swallows *





(weiße Skyline / lese die Schrift / der Schwalben)

Helga Stania


(Erstveröffentlichung: ahg September 2013)
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Die Schwalben

Die Schwalben halten zwitschernd
hoch auf dem Turme Rat;
die ält'ste spricht bedenklich:
"Der Herbst hat sich genaht.

Schon färben sich die Blätter,
die Felder werden leer;
bald tanzt kein einzig Mücklein
im Strahl der Sonne mehr.

Seid ihr zur Reise fertig?"
Die Alten zwitschern: "Ja!"
Die Jungen fragen lustig:
"Wohin?" - "Nach Afrika!"

Nun schwirrt es durch die Lüfte,
verlassen ist das Nest;
doch alle hält die Liebe
an ihrer Heimat fest.

Wohl ist's viel hundert Meilen
von hier bis Afrika;
doch, kommt der Sommer wieder,
sind auch die Schwalben da.

Julius Sturm (1816-1898)
 
 


Mittwoch, 10. September 2014

fallende Blätter






fallende Blätter -
wir hoffen noch 
auf ein Wunder





(falling leaves / we still hope / for a miracle) 


Cezar-Florin Ciobîcă



(Übersetzung: Silvia Kempen)
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Hoffnung


Hoffnung schlummert tief im Herzen, wie im Lilienkelch der Thau;
Hoffnung taucht, wie aus den Wolken, nach dem Sturm des Himmels Blau;
Hoffnung keimt, ein schwaches Hälmchen, auch aus nackter Felsenwand
Hoffnung leuchtet unter Thränen, wie im Wasser der Demant.

Schon so tausendfach betrog'nes, armes, schwaches Menschenherz,
Immer wendest du dich wieder gläubig trauend himmelwärts!
Wie Arachne unverdrossen täglich neue Netze spannt,
kreuzet auch durch ihre Fäden täglich rauh des Schicksals Hand.

Franz von Gaudy (1800-1840)




Dienstag, 9. September 2014

vor dem kraftwerk



vor dem kraftwerk
der tanz der wildgänse
über rheinauen



(in front of the power plant / the dancing of wild geese / above Rhine floodplains)

Peter Wißmann 



(Übersetzung: Silvia Kempen)
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Foto: © uberlet / pixelio.de





Montag, 8. September 2014

triefend vor Nässe






triefend vor Nässe
am Straßenrand allein
eine Sonnenblume





(dripping wet / alone at the roadside / a sunflower)

Barbara Meilinger



(Übersetzung: Silvia Kempen)
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Sonnenblumen 

Sonnenblumen schauen über die Gartenmauer,
Wie in goldenen Hauben Gesichter von Frauen.
Sie sehen aus goldgelben Krausen heraus
Hochaufgerichtet wie zur ewigen Dauer;
Wie Riesinnen, die Wache bei den Lauben stehen,
Bei den Sommerlauben von hochroten Bohnenblüten,
Drinnen Tisch und Bänke und Gedanken nicht vom Flecke gehen;
Wo die Worte sich hüten, und die Augen viel gestehen und groß aussehen
Wie die großgelben Blumen, die sich nach der Sonne drehen,
Wie die Blumen, die goldene Räder werden an Wagen,
Die mit den Verliebten durch den Sommerhimmel jagen
Und eitel Liebeswünsche tragen.



Max Dauthendey (1867-1918)