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Freitag, 19. Juni 2015

Die ersten Eidechsen






Die ersten Eidechsen
jemand spielt Mundharmonika
im  Burgverlies




(First lizards / someone plays harmonica / in the dungeon)

Birgit Heid 



(Übersetzung: Silvia Kempen)
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Die Eidechsen

Nah war ich dran, zu überschau’n
Dich, zartes Tierchen, erdenbraun!
Du, grünes, bliebest mir fast ganz
Verborgen in des Grases Glanz.
Ihr sonnt euch hier mit Erd‘ und Pflanzen,
Ein kaum bemerkter Teil des Ganzen.

Eidechsen, wenn ich so euch beide
Von Erd‘ und Gras kaum unterscheide
Mit eurem Braun und eurem Grün,
So blitzen eure Äuglein kühn
Auf eurer Flucht mir doch zurück:
Ihr fühlte der Beseelung Glück!

Karl Mayer (1786-1870)
Aus der Sammlung 1833
 
 
 

Donnerstag, 18. Juni 2015

Rastplatz





Rastplatz
die Schatten der Schuhe wandern
weiter





(rest place / the shadows of shoes wander / further)

Ruth Karoline Mieger



(Übersetzung: Silvia Kempen)
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Foto: © Ruth Karoline Mieger




Mittwoch, 17. Juni 2015

Zum Saisonende





Zum Saisonende
mit ihrem Sommerfächer
classy zur Oper.




(near the season's end / with her artful summer fan / classy at the opera)

Horst Ludwig 



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Fächersprache

Mit dem Fächer, Schelmin, machst Du
Heimlich Zeichen Deinem Freund,
Blickst bald ernst dabei, bald lachst Du,
So daß ganz verwirrt er scheint.

Einhalt thu dem losen Spiele!
Vor der Sonne Schutz gewährt
Dir der Fächer, spendend Kühle,
Ihm bringt's Gluth, die ihn verzehrt.

Günther Walling (Carl Ulrici (1839 - 1896), Pseudonym Günther Walling. Deutscher Dichter und Übersetzer.)
 
 
 

Dienstag, 16. Juni 2015

fernzug durchfahrt





fernzug durchfahrt
im provinzbahnhof bleibt
ein hauch von welt*




(long-distance train non-stop / in the province station left / an air of
world)

Gérard Krebs



*(Erstveröffentlichung: Sommergras 92, März 2011)
(Übersetzung: Silvia Kempen)
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Foto: © Stefan Kernen / pixelio.de




Montag, 15. Juni 2015

Sommertag





Sommertag -
am Sandkasten zwitschern
junge Mütter




(summer day - / chirping at the sandbox / young mothers)

Christof Blumentrath



(Übersetzung: Silvia Kempen)
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JUNGE MUTTER

Dein Knabe spielt im warmen Sand
und kreischt aus hellem Übermut.
Du streichelst ihn mit sanfter Hand
und bist ihm recht von Herzen gut.
Du beugst dich über sein Gesicht,
das klar wie eine Blume ist,
und hebst ihn hoch ins Sonnenlicht,
stolz, daß du seine Mutter bist.

Ihm aber steht das nicht zu Sinn.
Er strampelt fest und möchte los.
Du stellst ihn auf den Boden hin
und denkst für dich: was hat er bloß?
Und eine Ahnung rührt dich still
und sagt dir diesen Augenblick,
daß er sein eigenes Leben will
und Herr sein über sein Geschick.

Du denkst an jene Zeit zurück,
da er gelebt aus deinem Blut
und weißt: es war sein höchstes Glück,
als er noch ganz in dir geruht.
Nun sucht er sich schon seinen Ort
und will auf eignen Füßen stehn.
Doch strebt er aus dem Arm auch fort,
vom Herzen kann er dir nicht gehn.

Karl Bröger (1886-1944)
Aus der Sammlung Unsere Straßen klingen










Sonntag, 14. Juni 2015

Sommernacht





Sommernacht
unter Sternbildern
dein Würfelspiel




(summer night / under constellations / your game of dice)

Angelica Seithe



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Foto: © Bernhard Mayr / pixelio.de




Samstag, 13. Juni 2015

Feldmohnblumen




Feldmohnblumen -
Begrüßungskomitee
am Hintereingang.




(Wild poppy / welcome committee / at the backdoor)
 
Angela Hilde Timm
 
 
 
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Mohnblumen

Mit roten Feldmohnblumen
Hatt’ ich dein Haar geschmückt,
Die roten Blumenblätter
Die sind nun alle zerdrückt.

Du bist zu mir gekommen
Beim Abendsonnenschein,
Und als die Nacht hereinbrach,
Da ließest du mich allein.

Ich höre die Stille rauschen
Und sehe die Dunkelheit sprühn,
Vor meinen träumenden Augen
Purpurne Mohnblumen blühn.

Hermann Löns (1866-1914)