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Mittwoch, 7. Dezember 2016

Wie still





Wie still
weint die Eberesche
im Dezemberregen.




(How quiet / the rowan crying / in December rain.)

Valdis Jansons (Lettland)




(Übersetzung: Silvia Kempen)
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Foto: © Günter Havlena / pixelio.de



Dienstag, 6. Dezember 2016

Der Nikolaus ist da





Der Nikolaus ist da -
unterm Mantel die Schuhe
der Tante




(Santa Claus is here -  under the coat the shoes / of the aunt)

Angelika Knetsch




(Übersetzung: Silvia Kempen)
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Nikolaus, du guter Mann

Nikolaus, du guter Mann,
hast einen schönen Mantel an.
Die Knöpfe sind so blank geputzt,
dein weißer Bart ist gut gestutzt,
die Stiefel sind so spiegelblank,
die Zipfelmütze fein und lang,
die Augenbrauen sind so dicht,
so lieb und gut ist dein Gesicht.

Du kamst den weiten Weg von fern,
und deine Hände geben gern.
Du weißt, wie alle Kinder sind:
Ich glaub, ich war ein braves Kind.
Sonst wärst du ja nicht hier
und kämest nicht zu mir.
Du musst dich sicher plagen,
den schweren Sack zu tragen.

Drum, lieber Nikolaus,
pack ihn doch einfach aus.

Verfasser unbekannt




Montag, 5. Dezember 2016

Winterreise





Winterreise
wir teilen unser Schweigen
mit dem Wald




(Winter travel / we share our silence / with the forest)

Ilse Jacobson




(Übersetzung: Silvia Kempen)
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Schweigen im Walde

Still! Schweigendes Geheimnis künden
Will weltverloren sich. Kein Laut.
In dämmergrünen Waldesgründen
Auf Rehes Spur
Das Einhorn nur
Groß auf des Mooses Sonnenzittern schaut.
Wenn jetzt ein Zweig zur Erde fiele,
Es wär’ ein Lärm in heiliger Ruh,
Frau Märe schaut dem stummen Spiele
Seltsamer Lichter staunend zu.
Die Flecken an den Stämmen funkeln,
Die Pilze leuchten plötzlich hell,
Auf einmal liegt der Wald im Dunkeln,
Laubgeister wispern leis und flüstern,
Sacht tränkt das Einhorn sich am Quell.

Karl Henckell (1864-1929)
Aus der Sammlung Neun Böcklinbilder




Sonntag, 4. Dezember 2016

Barbarazweige





Barbarazweige. —
Ich blicke durchs Fenster
bis zum Horizont.




 
(Saint Barbara twigs - / I'm looking through the window / to the horizon.)

Horst Ludwig




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Foto: ©  Silke Bahr / pixelio.de




Samstag, 3. Dezember 2016

Glatteiswarnung





Glatteiswarnung
ich laufe
neben der Spur




(black ice warning / I'm walking / next to the trace)

Petra Klingl




(Übersetzung: Silvia Kempen)
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15. Warnung

Scheint dir der Pfad, auf dem du gehst, so sicher,
Und willst du noch einmal, o Jugendlicher,
Uneingedenk verschuldeter Gefahren,
Die Züge sehn, die dir so tödlich waren?

Darfst du so fest auf deine Seele bauen,
Und wähnst du mit Besonnenheit zu schauen
Der schwarzen Augen, die dir Sterne deuchten,
Bedeutungsvolles, dunkeltiefes Leuchten?

Nein! Laß die Wunde lieber sich vernarben,
Entschließe dich, zu meiden und zu darben,
Und vor dir selbst sogar, o Herz, verhülle
Den ganzen Reichtum deiner Liebesfülle!

August von Platen (1796-1835)
Aus der Sammlung Romanzen und Jugendlieder




Freitag, 2. Dezember 2016

raureifdächer





raureifdächer
fast still
steht der rauch






(rime roofs / nearly still / stands the smoke)

Birgit Schaldach-Helmlechner




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Foto: ©  Andrea Kusajda / pixelio.de




Donnerstag, 1. Dezember 2016

Wintersonne






Wintersonne...
hinter der Gardine
Großmutters Gesicht




(winter sun ... / behind the curtain / grandma's face)


Heike Gericke




(Übersetzung: Silvia Kempen)
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Wintersonne

Es geht ein Licht vom Himmel wie Rosenmilch. Geht durch die leeren Bäume über den Schnee, über das Schilfdach einer Hütte, über einen kauernden blauen Mann und eine gelbe ziehende Herde.

Der Schnee in blauen Scherben auf dem Hüttendach, um die Hütte in gelben Meerschaumwellen. Vergißmeinnichtblüten und Rosa in den Schneegruben. Der Schnee knistert fiebernd wie Seide. Seiden die Luft, goldweiß und goldrosig gestrählt.

Opalfarben schweben über den Schnee, kaum hörbar, zart wie der Atem der Perlen.

Aber über allem bricht rauschend das Licht im Duftguß aus weißem Kern. Steht in weißem Rosa und höher Gold, blasses Silbergold, und blüht entfaltet wie eine Blume.

Es wird lebendig der Schnee. In blauglimmenden Schatten steigen Flammen und aus Kristallbrüchen Gase, blaue und rosige weiten die Luft. Mit ihnen summende violette Dämpfe, rauschen unter der Hütte, fangen sich im Baumgeäst hoch. Die kahlen Bäume stehen in der Luft, wie die rosigen Adern auf durchsichtigen Blütenblättern.

Es geht aus allem eine nadeldünne Kühle, eine streichelnde Weichheit, wie die Schiller auf kühlen Muschelschalen und Perlmutter.

Der blaue Mann steht gebeugt im Licht. An ihm vorbei zieht die Schafherde aus der Hütte und breitet sich über den Schnee.

Es geht warmer Lichtfriede über den kalten Schnee. Auf Engelfittichen eine kinderlallende Andacht. Im schmeichelnden Gießen von Düften das Entfalten einer Taube auf rosigem Silbergrund. Das wispernde Beten ganz kleiner runder Engel mit Veilchenaugen und Blütenstaub im Haar und Daunenflügel am Nacken. Und Musik von elfenbeinernen Harfen.

Max Dauthendey (1867-1918)