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Mittwoch, 7. Februar 2018

Der Weg durch den Wald





Der Weg durch den Wald
verliert all seine Schrecken
in schneestiller Nacht




(The path through the forest / loses all its horrors / in silent snow night)

Georges Hartmann




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Schneestille

Heilige, süße Stille
Schwebt über Berg und Tal;
Unter weißer Friedenshülle
Schläft leise das große All.

So leise, o so leise,
So schweigend und so tief,
Wie unterm Leichentuche
Wohl manch ein Herze schlief!

Johann Meyer (1829-1904)
Aus der Sammlung Hochdeutsche lyrische Gedichte



Dienstag, 6. Februar 2018

Winternachmittag





Winternachmittag
aus dem Nachbarschornstein quillt
der Mond*





(winter afternoon / from the neighboring chimney swells / the moon)

Marita Bagdahn




*(Erstveröffentlichung: Haiku heute, Ausgabe Februar 2014)
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Foto: © Gischott / pixelio.de




Montag, 5. Februar 2018

verschneite Wege





verschneite Wege
Mutters alte Geschichten
on demand




(snowy paths / mother's old stories / on demand)

Gabriele Hartmann




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Alte Geschichten

Der Abend dämmert, es wirbelt der Wind
den Schnee von dem hohen Dache,
Großmütterchen sitzt am warmen Kamin
mit den Kleinen im warmen Gemache.
„Erzähl uns etwas, Großmütterlein!“ –
„Recht gern, ihr närrischen Dinger,
ihr müsst nur brav und bescheiden sein!“
Und mahnend hebt sie den Finger.

Dann fängt sie an: „Es war einmal ....“,
und die Kinder, sie lauschen und lauschen.
Sie hören das Bellen des Hofhunds nicht
und des Sturmes Zischen und Rauschen,
und nicht das Schlagen der Schwarzwalduhr
und der Stunde rasches Verrinnen.
Sie sitzen und horchen mit Mund und Ohr,
versenkt in Träumen und Sinnen.

Großmutter weiß der Geschichten viel
aus fernen vergangenen Tagen,
von Riesen und Zwergen, von Burgen, von Seen,
seltsame Märchen und Sagen;
von Nixen und Elfen, von Rübezahl,
Musikanten und Lumpengesindel,
und wie Dornröschen im Schlaf versank,
gestochen von giftiger Spindel.

Vom Weibe, das tanzt in feurigen Schuh’n,
von sieben Raben und Schwaben,
von Aschenbrödel und Drosselbart
und Hans, dem glücklichen Knaben;
von der großen Stadt, tief unter der See
Vineta, der schlummernden Leiche,
auch wohl zum Schluß vom Meister Till
schalkhafte, lustige Streiche.

Großmutter weiß der Geschichten so viel,
als Blätter auf Büschen und Bäumen;
die Kinder lauschen mit Ohr und Mund,
versenkt in Sinnen und Träumen.
Und die kleine Marie – sie lächelt und schläft;
still wird es im trauten Gemache,
und der Wind schläft auch, und die Sterne steh’n
hell über dem hohen Dache.

Friedrich Wilhelm Weber (1813-1894)
 
 
 
 

Sonntag, 4. Februar 2018

Auf dem Holm




Auf dem Holm -
silbern blinkt in den Netzen
der Mond*




(Op'e Holm - / as Sülver funkelt in'e Netten / de Maand)*
(On the spar - / silvery flashing in the nets / the moon)**
Franz Kratochwill
 
 
 
 
*(Erstveröffentlichung: Klaviersonate, Mohland Verlag, 2010)
**(Übersetzung: Silvia Kempen)

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Foto: © hagir25 / pixelio.de




Samstag, 3. Februar 2018

In meinem Bett





In meinem Bett
allein
der Vollmond




(In my bed / alone / the full moon)

Elke Bonacker




(Übersetzung: Silvia Kempen)
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Der Mond

Der Mond zieht durch die Wolken,
Er kommt so hell heran.
Ihr Kinder, eilt ins Freie!
O seht den Mond euch an!

Da streckt das kleinste Knäbchen
Die Arm' hinaus gar weit,
Den Mond, den Mond will's haben,
Nach ihm es weint und schreit.

Ich kann ihn dir nicht geben,
Auch wenn du größer bist,
Kann ich kein Glück dir geben,
Das nicht auf Erden ist. –

Denk' bei dem goldnen Monde,
Der hoch am Himmel schwebt,
Dass Niemand hier auf Erden
Unmögliches erstrebt.

Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)




Freitag, 2. Februar 2018

Wintertraum





Wintertraum
nach dem Schneegewölbe
der Tanz der Zweige




(winter dream / after the snow vault / dance of branches)
Friedrich Kelben
(Übersetzung: Silvia Kempen)
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Foto: © uschi dreiucker / pixelio.de



Donnerstag, 1. Februar 2018

Wintersonnenglanz





Wintersonnenglanz -
lautlose Bewegungen
über gleißendem Eis




(winter sun gloss - / silent movements / over glistening ice)

Ruth Wellbrock




(Übersetzung: Silvia Kempen)
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Der Gang aufs Eis

Sausend und surrend in wechselndem Ringel
Schwingt sich das Jungvolk selbzweit und selbdritt -
Herz, du mein rüstiges, lüstiges Dingel,
Tätest und drehtest du heute nicht mit?

Jettchen und Nettchen, ihr flotten und flinken,
Laßt ihr die Schüler noch immer nicht los?
Seht ihr den Meister nicht warten und winken,
Ist euch das wirklich so tuttmämschos′?

Jettchen! mein Herz, es pocht wie ein Hammer!
Nettchen, ich komme! nun wird mir′s zu dumm ..
Plötzlich von hinten mit knöcherner Klammer
Hängt mir′s am Arme und reißt mich herum!

Base Ludmilla, die alte Runkunkel,
Die mir schon lange die Ehe verspricht,
Hat mich erspäht - mit süßem Gemunkel
Schaut sie beglückt mir ins Angesicht!

Und mit dem mächtigen Großmuttermuffe,
Der von abscheulichen Wollwülsten starrt,
Holt sie nun aus zu dem zärtlichsten Puffe:
"Schäker, ich weiß schon, auf wen du geharrt!

Komm, laß uns schlittern da drüben, wo′s frei ist,
Und wo die Seele der Seele sich freut -
Denn dieser Jugend Gehetz und Geschrei ist
Nichts für uns reife, vernünftige Leut′!"

Hanns von Gumppenberg (1866-1928)