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Samstag, 7. Mai 2016

Windharfe





Windharfe
im Werden
meine Melodie




(wind harp / under way / my melody)

Ilse Jacobson




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Foto: © Ingo Döring / pixelio.de




Freitag, 6. Mai 2016

altes Cabrio





altes Cabrio
das Lied, das uns der
Frühlingswind pfeift




(old cabriolet / the song, which spring wind / is whistling to us)

Christof Blumentrath



(Übersetzung: Silvia Kempen)
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Ein Frühlingswind

Mit diesem Wind kommt Schicksal; laß, o laß
es kommen, all das Drängende und Blinde,
vor dem wir glühen werden -: alles das.
(Sei still und rühr dich nicht, daß es uns finde.)
O unser Schicksal kommt mit diesem Winde.

Von irgendwo bringt dieser neue Wind,
schwankend vom Tragen namenloser Dinge,
über das Meer her was wir sind.

.... Wären wirs doch. So wären wir zuhaus.
(Die Himmel stiegen in uns auf und nieder.)
Aber mit diesem Wind geht immer wieder
das Schicksal riesig über uns hinaus

Rainer Maria Rilke (1875-1926)

Donnerstag, 5. Mai 2016

Haiku-Lesung





Haiku-Lesung
meinem Nachbarn knurrt
der Magen





(Haiku reading / my neighbor's stomach's / growling)

Heike Stehr



(Übersetzung: Silvia Kempen mit Beratung durch Horst Ludwig)
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Foto: © Heike Stehr

Mittwoch, 4. Mai 2016

Im Blauen schweben





Im Blauen schweben
die Schwimmer und
die Schwalben.




(Drifting in the blue / the swimmers and / the swallows.)

Susanne Effert




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Schwalben

Hoch in die blauen Lüfte schwingt
die Schwalbe sich vom Dach.
Und eh ihr Zwitscherruf verklingt,
schwingt sich die zweite nach.

Die dritte folgt, die vierte auch
flitzt pfeilschnell hinterher.
Nun schwimmen über Dunst und Rauch
sie frei im Sonnenmeer.

Sie tummeln wie die Fischchen sich
im unbegrenzten Reich.
Ich freue ihres Treibens mich
und seh's doch täglich gleich.

Wie nisten sie so traut und treu
am heimischen Gebälk,
sie kehren alle Jahre neu,
ich werde alt und welk.

Eins aber, Schwalben, blieb mir doch
und bleibt wohl länger mir,
die Herzgedanken fliegen noch
und höher noch als ihr.

Bis in ein Licht so hell und klar,
wie ihr es nie erschaut,
und bau'n wohl noch ein Nestchen gar,
wo nie ein Vogel baut.

Gustav Falke (1853-1916)
Aus der Sammlung Heimat und Seele




Dienstag, 3. Mai 2016

neuer Haarschnitt





neuer Haarschnitt
jung und wild blühen
jetzt die Wiesen




(new haircut / young and wild blooming / the meadows now)

Elisabeth Kleineheismann



(Übersetzung: Silvia Kempen)
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Foto: © Petra Dirscherl / pixelio.de




Montag, 2. Mai 2016

in der Mittagssonne





in der Mittagssonne
geschlüpft als ich schlief –
Magnolienblüten





(in the midday sun / hatched out while I slept – / Magnolia blossom)

Angelica Seithe




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Als Adam schlief...

Als Adam schlief, nahm Gott ihm eine Rippe
Und machte ihm ein Weib daraus.
Sie war sein Fleisch und bracht' nicht eigne Sippe
Noch Vetternschaft ihm mit ins Haus.
Und hielt sie manches nicht, was sie versprochen,
Dies eine les' ich aus dem heil'gen Buch:
Es kam zu Adam nie auf sieben Wochen
Die Mutter Evas zu Besuch.

Rudolf Presber (1868-1935)





Sonntag, 1. Mai 2016

stille Post





stille Post 
das Versprechen 
zu schweigen




(susurration / the promise / to keep a secret)

Gabriele Hartmann




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Schweigen

Es gibt Begriffe, Dinge körperlos,
Urbilder jener Zwillingswesenheit,
Welcher der urzeitliche Schöpferschoß
Von Stoff und Geist Gestalt und Leben leiht.
Es gibt ein zwiefach Schweigen – Meer und Strand –
Seele und Leib. Das eine wohnt fernab
An einem Orte, den die ernste Hand
Gütiger Huldinnen mit Grün umgab.
Ein treu Gedenken waltet darum her
Und mildert seinen Ernst, nimmt ihm das Graun.
Es trägt den dunklen Namen: »Nimmermehr!«
Oh, furcht' es nicht, du kannst dich ihm vertraun.
Doch wenn sein Schatten, der im Reich der Lethe
Als finstrer, namenloser Elfe weilt,
Dich unvermutet vor der Zeit ereilt –

Dann bete!

Edgar Allan Poe (1809-1849)