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Sonntag, 18. Februar 2018

Lärchenzweige





Lärchenzweige -
unter jeder Meise eine
Schneeschleuder





(larch branches - / under every chickadee / a snow catapult)

 Valeria Barouch




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Die Meise

Auguste, wie fast jede Nichte,
Weiß wenig von Naturgeschichte.
Zu bilden sie in diesem Fache,
Ist für den Onkel Ehrensache.
»Auguste«, sprach er, »glaub es mir,
Die Meise ist ein nettes Tier.
Gar zierlich ist ihr Leibesbau,
Auch ist sie schwarz, weiß, gelb und blau.
Hell flötet sie und klettert munter
Am Strauch kopfüber und kopfunter.
Das härtste Korn verschmäht sie nicht,
Sie hämmert, bis die Schale bricht.
Mohnköpfen bohrt sie mit Verstand
Ein Löchlein in den Unterrand,
Weil dann die Sämerei gelind
Von selbst in ihren Schnabel rinnt.
Nicht immer liebt man Fastenspeisen,
Der Grundsatz gilt auch für die Meisen.
Sie gucken scharf in alle Ritzen,
Wo fette Käferlarven sitzen,
Und fangen sonst noch Myriaden
Insekten, die dem Menschen schaden;
Und hieran siehst du außerdem,
Wie weise das Natursystem.« -
So zeigt’ er, wie die Sache lag.
Es war kurz vor Martinitag.
Wer da vernünftig ist und kann’s
Sich leisten, kauft sich eine Gans.
Auch an des Onkels Außengiebel
Hing eine solche, die nicht übel,
Um, nackt im Freien aufgehangen,
Die rechte Reife zu erlangen.
Auf diesen Braten freute sich
Der Onkel sehr und namentlich
Vor allem auf die braune Haut,
Obgleich er sie nur schwer verdaut.
Martini kam, doch kein Arom
Von Braten spürt’ der gute Ohm.
Statt dessen trat voll Ungestüm
Die Nichte ein und zeigte ihm
Die Gans, die kaum noch Gans zu nennen,
Ein Scheusal, nicht zum Wiederkennen,
Zernagt beinah bis auf die Knochen.
Kein Zweifel war, wer dies verbrochen,
Denn deutlich lehrt der Augenschein,
Es konnten nur die Meisen sein.
Also, ade, du braune Kruste! -
»Ja, lieber Onkel«, sprach Auguste,
Die gern, nach weiblicher Manier,
Bei einem Irrtum ihn ertappt:
»Die Meise ist ein nettes Tier.
Da hast du wieder recht gehabt.«

Wilhelm Busch (1832-1908)




Samstag, 17. Februar 2018

Origami





Origami
zum Abschluss faltet sie
die Hände






(origami / at the end she folds / her hands)

Friedrich Winzer




(Übersetzung: Horst Ludwig)
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Foto: © günther gumhold / pixelio.de




Freitag, 16. Februar 2018

im späten Winterregen





im späten Winterregen
Fliederduft




(in the late winter rain / lilac scent)

Ilse Jacobson




(Übersetzung: Silvia Kempen)
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Spät

Daß wir uns so spät begegnet,
War für mich ein Mißgeschick,
Dennoch sei der Tag gesegnet,
Der gebracht mir so viel Glück!

Denn es ward mir mehr gegeben
Schon in dieser kurzen Zeit,
Als ein ganzes Menschenleben
Einem andern sonst verleiht.

Johann Meyer (1829-1904)
Aus der Sammlung Hochdeutsche lyrische Gedichte



Donnerstag, 15. Februar 2018

Wintersonne





Wintersonne -
noch geht ein langer Schatten
neben mir




(Winter sun - / still there is going a long shadow / next to me)

Brigitte ten Brink




(Übersetzung: Silvia Kempen)
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Foto: © Stihl024 / pixelio.de




Mittwoch, 14. Februar 2018

Aschermittwoch / Valentinstag





Aschermittwoch
In den Großstädten
Feinstaubalarm




(Ash Wednesday / In the big cities / fine dust alarm)

Chris David




(Übersetzung: Silvia Kempen)
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Valentinstag -
wir reden über Schnee
der nicht fiel




(Valentine's Day - / we talk about snow / that didn't fall)

Eva Limbach




Dienstag, 13. Februar 2018

Fasching





Fasching
sie nimmt die Clownsmaske
ab*




(carnival / she doffs / her clown mask)

Ramona Linke




*(Erstveröffentlichung: Haiku heute, Ausgabe März 2013)
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Die Maske und das Gesicht

Bei Hof, an einem Carneval,
Sprach einst die Maske zum Gesichte:
Gib Acht, wie ich hier überall
Jetzt deinen Ruhm und Stolz zernichte,
Und mancher, den du sonst entfernt,
Mir folgen und mir schmeicheln lernt.

Venedig ist mein Vaterland;
Drum schütz' ich Freiheit, List und Liebe.
Wer scheinet oder ist galant,
Durch den ich keinen Streich verübe?
Man lobt, man ehrt mich tausendfach,
Und spürt und tanzt und schleicht mir nach.

Ich lehr' in diesem Federhut
Die kronenscheuen Männer krönen.
Ich schaffe stillen Wünschen Muth,
Dem Muthe Glück, dem Glücke Schönen.
Es können hier, durch mich allein,
Die Ungestalten grausam sein.

Ein wenig Prahlen steht dir frei:
War des Gesichtes Gegenrede.
Doch stimme meinem Vorzug bei,

Und schäme dich der kühnen Fehde,
Weil dies nur deine Schönheit ist,
Daß du mir oft so ähnlich bist.

Das Herz wird nur durch mich erkannt,
Durch mich, den Spiegel vom Gemüthe.
Mein hoher Ernst beweist Verstand,
Mein Lächeln zeugt von Treu' und Güte.
Die Maske sprach: Mein stolz' Gesicht!
Vielleicht wohl sonst; bei Hofe nicht.

Friedrich von Hagedorn (1708-1754)
Aus der Sammlung Fabeln und Erzählungen. I.





Montag, 12. Februar 2018

Heftiger Schneefall







Heftiger Schneefall.
Im Blumenshop des Flughafens
blüht ein Flieder auf.





(Heavy snowfall. / In the flower shop of the airport / a lilac blooms.)

Jansons Valdis (Lettland)




(Übersetzung: Silvia Kempen)
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 Foto: © BettinaF / pixelio.de