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Sonntag, 17. Januar 2016

Mahnwache






Mahnwache
die Wärme in den Händen
der anderen*





(picket / the warmth in the hands / of the others)


Claudia Brefeld
 
 
 
*Erstveröffentlichung: HTA-SOMMERGRAS 106/2014
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Licht und Wärme

Der beßre Mensch tritt in die Welt
Mit fröhlichem Vertrauen,
Er glaubt, was ihm die Seele schwellt,
Auch außer sich zu schauen,
Und weiht, von edlem Eifer warm,
Der Wahrheit seinen treuen Arm.

Doch alles ist so klein, so eng,
Hat er es erst erfahren,
Da sucht er in dem Weltgedräng
Sich selbst nur zu bewahren,
Das Herz in kalter stolzer Ruh
Schließt endlich sich der Liebe zu.

Sie geben, ach! nicht immer Glut,
Der Wahrheit helle Strahlen.
Wohl denen, die des Wissens Gut
Nicht mit dem Herzen zahlen!
Drum paart, zu eurem schönsten Glück,
Mit Schwärmers Ernst des Weltmanns Blick.

Friedrich Schiller (1759-1805)
Aus der Sammlung Gedichte (1789-1805)


 

Samstag, 16. Januar 2016

... es ist wie gras





... es ist wie gras
schluchzen
hinter den zypressen*




(... it's like grass / sobbing / behind the cypresses)

Gabriele Brunsch



*Erstveröffentlichung: haiku-like, 11. November 2014
(Übersetzung: Silvia Kempen)
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Foto: © H.D.Volz / pixelio.de




Freitag, 15. Januar 2016

gischt rollt aus





gischt rollt aus
auf dem lavastrand
ein schneeweißes feld





(spume rolling out / on the lava beach / a snow-white field)


Birgit Schaldach-Helmlechner




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Am Ende aller Grenzen

Warum wir wohl ins Leben treten:
Vielleicht um Haus und Baum,
Tor und Berg zu sehen
im Daseinstraum?

Vielleicht um durch ganz stilles Beten
dem Etwas nah zu sein?
Um diesen großen Willen,
der im Außen harrt, allein,

zu lieben, durch all die tiefen Stillen,
bis unser Atem zu ihm reicht ? -

Vielleicht...








Donnerstag, 14. Januar 2016

schneefälle





schneefälle
zwischen den feldern
verschwinden die grenzen




(snowfall / between the fields / the boundaries disappear)

Heike Stehr



(Übersetzung: Silvia Kempen)
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Foto: © Heike Stehr 



Mittwoch, 13. Januar 2016

Neuschnee





Neuschnee 
keine Spuren mehr 
zwischen uns




(fresh snow / no traces left / between us)

Angelica Seithe



Erstveröffentlichung: Sharpening the Green Pencil, Commendation
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Neuschnee

Flockenflaum zum ersten Mal zu prägen
mit des Schuhs geheimnisvoller Spur,
einen ersten schmalen Pfad zu schrägen
durch des Schneefelds jungfräuliche Flur -

kindisch ist und köstlich solch Beginnen,
wenn der Wald dir um die Stirne rauscht
oder mit bestrahlten Gletscherzinnen
deine Seele leuchtende Grüsse tauscht.

Christian Morgenstern (1871-1914)
Aus der Sammlung I.





Dienstag, 12. Januar 2016

Schneesturm angesagt





Schneesturm angesagt. —
Noch tanzen leicht die Flocken
in den langen Weg.





(Forecast a snowstorm. / Right now still thin flakes dancing / into the long road.)

Horst Ludwig




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Foto: © Roland Peter / pixelio.de




Montag, 11. Januar 2016

Weggablung im Schnee





Weggablung im Schnee.
Links wie rechts nur eine Spur.
Und tiefe Stille.




(Fork in the snow. / Left such right only a trace. / And deep silence.)

Volker Friebel



(Übersetzung: Silvia Kempen)
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Tiefe Ruhe

Schwerfällig geht der Knecht im Hofe
Noch her und hin und hin und her,
Verwahrt verdrossen das Geräthe
Und schiebt am Thor den Riegel quer.

Ich seh' von meinem Fensterplatze
Das wandernde Laternenlicht,
Wie es sich in den Wasserlachen
Des Pflasters trübe leuchtend bricht.

Die Fohlen scharren dumpf im Stalle,
Des Nachbars Hund schlägt leise an -
Dann wirds so still, daß ich das Wehen
Des eignen Athems hören kann ...

Wie wunderlich dies tiefe Schweigen,
Da weit und breit sich nichts mehr rührt,
Und man das große, reiche Leben
Nur an dem eignen Herzschlag spürt.

Anna Ritter (1865-1921)
Aus der Sammlung Aus der Einsamkeit